Wenn du aus Nordeuropa oder den Vereinigten Staaten nach Spanien kommst, solltest du dich auf ein paar kulturelle Überraschungen einstellen. Das Tempo, die Menschen und sogar der Tagesablauf können sich anders anfühlen. Manche Veränderungen werden dich sofort begeistern. Bei anderen musst du dich vielleicht erst ein wenig umgewöhnen. Dieser Leitfaden führt dich durch die kleinen, aber wichtigen Details, die den Alltag hier prägen.
Alltagsrhythmus
Das Mittagessen ist ein Ereignis
In Spanien ist das Mittagessen selten nur ein schneller Happen. Es findet später am Tag statt, oft gegen zwei oder drei Uhr nachmittags, und ist die Hauptmahlzeit. Rechne mit warmen Gerichten, mehreren Gängen, Brot auf dem Tisch und vielleicht sogar einem Dessert. Dabei geht es genauso sehr um Gespräche wie um das Essen.
Das Abendessen findet sehr spät
statt. Es wird zwischen acht und zehn Uhr gegessen. Vor allem im Sommer. Ich persönlich esse erst nach neun Uhr zu Abend. Und eine meiner liebsten Sommerbeschäftigungen ist es, zu beobachten, wie sich die Schweden schon um sechs Uhr in Abendgarderobe anstellen, obwohl manche Restaurants zu dieser Zeit noch gar nicht für den Abenddienst geöffnet sind.
Die
Siesta gibt’s immer noch Auch wenn sie nicht überall praktiziert wird, ist die Siesta in Spanien nach wie vor üblich. Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie tagsüber schließen wollen oder nicht, daher lohnt es sich, das vorher zu überprüfen, bevor du losziehst. Diese Pause am Nachmittag kann auch bedeuten, dass manche Restaurants geschlossen sind, besonders in kleineren Orten oder außerhalb der touristischen Hochsaison.
Soziale Normen
Begrüßungen sind üblich
Auch wenn nicht erwartet wird, dass du jede Person begrüßt, die du siehst, ist es hier weitaus üblicher als in vielen nordeuropäischen oder amerikanischen Städten. Nachbarn, Ladenbesitzer und sogar Fremde in kleineren Orten grüßen dich oft mit einem einfachen „Hallo“.
Pläne sind flexibel
– Termine sind nicht in Stein gemeißelt. Aus einem Kaffee kann ein Mittagessen werden, und aus dem Mittagessen ein Abendausflug. Es ist ganz normal, dass sich Pläne ändern.
Wartezimmer sind gesellige
Orte – Stille ist in öffentlichen Wartebereichen selten. Die Leute unterhalten sich, nehmen Anrufe entgegen oder kommen ins Gespräch.
Zeit ist flexibel
: Wenn jemand fünf oder zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit ankommt, gilt das normalerweise nicht als Verspätung. Es kommt darauf an, da zu sein – nicht auf die Minute genau.
Prioritäten im Alltag
Das Leben kommt vor der Arbeit
– Familie und Freizeit haben Vorrang. Arbeit ist wichtig, aber sie richtet sich nach dem Leben und nicht umgekehrt.
Kinder bleiben lange
auf Es ist ganz normal, Kinder bis spät in die Nacht in Restaurants und auf Plätzen zu sehen. Niemand findet das ungewöhnlich.
Frag nach der Rechnung
In Spanien bringt der Kellner dir die Rechnung erst, wenn du danach fragst. Beim Essen wird nicht gehetzt, daher musst du ein Zeichen geben, wenn du bereit bist zu bezahlen.
Sag einfach
Bescheid, wenn du etwas brauchst. Die spanische Kultur ist direkter und weniger zurückhaltend als in Teilen Nordeuropas.
Kommunikationsstil
Gespräche sind leidenschaftlich
– Meinungsverschiedenheiten sind nicht unhöflich. Sie gehören oft zu einem lebhaften Gespräch dazu.
Geduld zahlt sich
aus Sich über kleine Verzögerungen oder Ineffizienzen aufzuregen, ändert nichts. Nimm es hin und mach weiter.
Die Sonne gibt den Takt
vor – das Wetter bestimmt den Tag. Hitze kann Pläne nach hinten verschieben, und ein Großteil des Lebens spielt sich im Freien ab.
Öffentliche Räume
Hunde sind willkommen
Hunde sind in vielen Cafés, Geschäften und öffentlichen Räumen erlaubt. Supermärkte bilden die wichtigste Ausnahme.
(Meinen Ratgeber „Leben mit Haustieren“ kannst du HIER nachlesen)
Rauchen im Freien ist üblich
– In vielen Cafés ist das Rauchen an Tischen im Freien erlaubt.
Anrufe über die Freisprechanlage sind normal
Manche Leute nehmen Anrufe in der Öffentlichkeit ohne zu zögern über die Freisprechanlage entgegen.
Kleine kulturelle Tipps
„Señorita“ ist sicherer als „Señora“
– „Señorita“ für Frauen zu verwenden ist völlig in Ordnung, sogar für ältere Frauen. „Señora“ kann zu förmlich klingen oder auf das Alter hindeuten.
Mach den Kellner auf dich aufmerksam
– sei nicht schüchtern. Ein freundliches „Caballero“ wirkt oft besser als ein leises „Perdona“.
Warteschlangen haben Regeln
: Wenn es kein Ticketsystem gibt, frag immer, wer der Letzte ist. So sicherst du dir deinen Platz, auch wenn die Schlange unorganisiert aussieht.
Praktische Hinweise
Englisch ist nicht garantiert
Viele Menschen in Tourismusgebieten sprechen Englisch, aber geh nicht davon aus, dass das auf alle zutrifft. Es wird geschätzt, wenn du dich bemühst, Spanisch zu sprechen.
Öffentliche Verkehrsmittel können dich
überraschen: Busse und Züge können zu früh, zu spät oder pünktlich ankommen. Man weiß es nie so genau.
Vertraue Google Maps nicht – Öffnungszeiten
: Die Online-Öffnungszeiten sind nicht immer korrekt. Ruf vorher an, wenn es wichtig ist.
Formalitäten sind selten
– die Leute sind herzlich und ungezwungen. Anreden und steife Sprache werden nicht erwartet.
Familie und Gemeinschaft
Die Familie steht im Mittelpunkt
– Treffen mehrerer Generationen sind üblich und lebhaft.
Es gibt viele
Feiertage Spanien hat mehr Feiertage, als du vielleicht erwartest, darunter nationale, regionale und lokale Feiertage. Fällt einer davon in die Nähe eines Wochenendes, ist mit einem „Puente“ zu rechnen – dabei nehmen sich die Leute zusätzliche freie Tage, um ein langes Wochenende zu schaffen.
Arbeit, Lifestyle und Nachtleben
Die Arbeit läuft hier etwas langsamer
ab Lange Mittagspausen und entspannte Nachmittage sind in vielen Berufen immer noch üblich.
Stil ist wichtig
: In der Öffentlichkeit kleidet man sich im Allgemeinen gepflegt. Lässig bedeutet nicht schlampig.
Zuneigung zeigt man öffentlich
– Händchenhalten, Umarmen und Küssen in der Öffentlichkeit sind ganz normal und nichts Besonderes.
Die Nächte gehen lange
: Bars und Clubs sind oft bis zum Sonnenaufgang gut besucht, sogar unter der Woche.
Persönlicher Austausch
Small Talk wird tiefgründiger
– Gespräche gehen oft schon nach wenigen Minuten über das Wetter hinaus.
Der persönliche Raum ist kleiner
– die Leute stehen sich beim Sprechen näher. Das gehört zur Kultur.
Beim Leben in Spanien geht es nicht darum, Regeln auswendig zu lernen oder sich über Nacht anzupassen. Es geht darum, sich langsam an einen anderen Rhythmus zu gewöhnen und zu lernen, das Tempo, den Lärm und die Eigenheiten zu genießen. An manchen Tagen wirst du das Chaos lieben, an anderen Tagen brauchst du einen tiefen Atemzug und ein Glas Wein.
Je länger du hier bist, desto mehr werden diese Gewohnheiten zur zweiten Natur. Du schaust nicht mehr so oft auf die Uhr. Du grüßt die Leute, ohne darüber nachzudenken. Du mischst dich in die Unterhaltung im Wartezimmer ein. Und dir wird langsam klar, dass die spanische Art, Dinge zu tun, nicht nur anders ist – sie erinnert dich daran, dass das Leben dazu da ist, gelebt zu werden, und nicht, um sich zu beeilen.

Kommentare (2)
Asim · vor 3 Monaten
It really helped :)
Asim · vor 3 Monaten
Looking forward